Geschichte von Reichenau

Geschichte von Reichenau



Die Geschichte von Reichenau

Eingebettet in eine herrliche Berg- und Hügelwelt liegt unser Heimatort Reichenau. In einer Weitung des Tales der Großen Gusen - umgeben von bewaldeten Bergen - schlummert gleichsam der Markt. Noch immer entfernt von der großen, lärmenden Welt.
Vom Westen schaut der Schlossberg mit seinen dunklen Fichten finster über den Markt hin. Das auf dem Puchberge stehende Schloss wurde um 1300 von dem Geschlecht der Marschalks erbaut und später mit einer Ringmauer umfangen (heute begehbare Ruine). Ursprünglich stand eine Feste östlich der Kirche. Letztere wurde erstmals 1152 erwähnt.
Ein Adeliger, wahrscheinlich aber ein Mönch mit dem Namen Richo (Richard) soll die Rodung der Au (Wildnis, Sumpf nach einem Fluss) geleitet haben. Daher der alte Name Richerouve. Wahrscheinlich gab es ursprünglich ein kleines Kloster, das in der Zeit der Rodung, die vom südlichen Gallneukirchner Becken her erfolgte, errichtet wurde. Die Geschlechter der Engelboldsdorfer der Scheinbecker, Gusner und Karlsberger, die mindestens im südlichen Teil der Pfarre den Boden urbar machten, sind längst ausgestorben. Mit diesen Kleinadeligen kamen viele Einwohner, die sich eigene Grundstücke rodeten. Ursprünglich gab es daher in unseren südlichen Langen viele freie Bauern. Die Überlieferungen, aber auch die Struktur der Einzelhöfe in Haibach, Affenberg und Kaindorf bezeugen dies. Die Orte Wintersdorf und Ottenschlag waren Gemeinschaftsrodungen. Erstere, wie der Name bezeugt, (Wienersdorf) eine windische Siedlung. Letztere wurde später, so um 1240, unter den Lobensteinern gerodet. Zeil – Habruck – Langbruck – Stiftung waren anfangs eine Rodungsschleuse zwischen Reichenau und Leonfelden. Um 1250 dürfte die Rodung der Umgebung abgeschlossen gewesen sein. Das bezeugt ein Kaufbrief über das Gut in der Brandstatt, wobei es sich um eine der letzten Rodungsflächen handeln dürfte.
Die Pfarre Gallneukirchen reichte im Westen bis zum Haselgraben, im Norden war der zurückweichende Nordwald die Grenze. Reichenau, vormals ein Teil dieser Pfarre, bekam 1310 seine Eigenstädigkeit. In einer Urkunde von 1220 heißt es: Der Grasbach ist die Grenze zwischen bischöflichem und herzöglichem Besitz.

Zum Ort selbst:
Der älteste Teil von Reichenau war unterhalb, aber nahe der Kirche. Dort steht heute noch das alte „Gmeinhäusl" (Hehenberger). Unterhalb vom Gmeinhäusl stand die erste Schule, die Starhemberg 1687 samt einem „Kuchlgartl" und einem „Bleichstättl" an der Friedhofsmauer verkaufte.
Das alte Brauhaus, ursprünglich ein Besitz der „Gmein" (Gemeinbesitz, Kommune) wird im Jahr 1426 urkundlich erwähnt (heute Fleischhauer und Imbissstube Jenner).
Das Bräuer (heute abgerissen und Gemeindeamt)war vor der Reformation der Pfarrhof und später unter den Geschlechtern der Schwarz Bräuerei und Gasthaus (erwähnt schon 1476).
Der Pfarrhof wurde 1595 neu erbaut, musste allerdings der 1976 erbauten Pfarranlage weichen. Erstmals bekam Reichenau 1445 das Marktrecht, welches später „in der Feuersbrunst verkommen ist".
Kaiser Ferdinand II verlieh 1639 abermals das Marktrecht und es durften jährlich drei Jahrmärkte abgehalten werden. Der Pranger, ein Zeuge für die niedere Gerichtsbarkeit, ist aus dem Jahr der Markterhebung 1639.
Das Gewerbe war zur Versorgung der näheren Umgebung ausgerichtet. Neben den zwei erwähnten Bräuern gab es im späteren Klopf-Gasthaus vor 1800 einen Bräuer namens Seyr. Auch auf der Penn-Mühle im Ort war ein Jakovizer, der im Totenbuch als Bräuer aufscheint. Ab 1792 wurde auf dem Haus Marktplatz 6 gebraut.
1803 verstarb dort der Bräumeister und Wirt Josef Weglehner. 1814 wurde auf diesem Haus nicht mehr gebraut.
Das Zunftbuch der Weber aus dem Jahr 1669, welches noch vorhanden ist, beweist, dass es im Ort sehr viele Weber gab. Am heute noch so genannten Ledererhaus wurde gegerbt und Richtung Hausbergbach dürfte die dazugehörige Loistampfe gestanden sein.
„Am Faberhaus" gab es eine Färberei. Nachweislich gab es immer zwei „Griesler" (Greisler) und auch Zwirnhändler im Ort. Bäcker, Schneider, Schuster gab es mehrere. Zwei Wagner, ein Handschuhmacher und zwei Schmiedmeister waren zu finden. Die Häuser in Reichenau hatten das Recht, ausschenken zu dürfen. Es gab daher viele „Gastgeb". Fleischhauer und Gastgeb auf einem Haus gab es mehrere. Auch ein Schweinehändler ist zu finden gewesen. Der Ort hatte sechs Mühlen. Die Sagmühle und die Rinnmühle, die Hofmühle beim Schloss, die Pennmühle im Markt und die Sinnmühle. Aber auch auf der Walchschmiede gab es bis nach 1600 einen Mühlenbetrieb. Später hieß diese Walchschmiedhammer und die Besitzer waren Schiedemeister.
Die meisten Ortsbewohner lebten von der Landwirtschaft. In jedem Haus wurden einige Rinder oder wenigstens Ziegen gehalten. Erst nach dem 2. Weltkrieg hatten sich die meisten von der Landwirtschaft getrennt und gingen einem gewerblichen Vollerwerb nach oder wurden Arbeitnehmer, meistens im nahen Linz. Wagner und Schmiede gaben auf, daraus wurden Landmaschinenwerkstätten, Kunst- und Hufschmiede, sowie Autowerkstätten.